10 Tage Trekking im Mercantour

Jeder Tag ein kleines Abenteuer

Auf in die Berge

Nach einer entspannten Ankunft in Nizza beginnt heute endlich unser neustes Abenteuer. Mal wieder in Frankreich aber diesmal im Süden, im Mercantour Gebirge.

Mit dem legendären Train des Merveilles verlassen wir die heiße Côte d’Azur. Schon die Zugfahrt ist spektakulär. Langsam schraubt sich der Zug durch tiefe Schluchten, über Viadukte und durch unzählige Tunnel immer weiter hinauf in die Seealpen. Die kleinen Bahnhöfe wirken wie aus einer anderen Zeit und die Landschaft wird mit jeder Kurve wilder.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Saint-Dalmas-de-Tende bringt uns der Bus nach Casterino. Statt dort zu übernachten, schultern wir spontan unsere Rucksäcke und steigen noch am Abend zum Lac de Grenouille auf. Nach gut zweieinhalb Stunden erreichen wir ein kleines Plateau oberhalb des Sees. Der perfekte Ort für unser erstes Biwak – so herrlich einsam und ruhig …

Sehenswertes im Mercantour

  • La Brigue
  • Die Abtei in Saorge
  • Das Refuge de Valmasque
  • Das Valle des Merveilles
  • Voie Sacrée und Vacherie Superieure
  • Baden im Lac Noir
  • Blaubeertarte im Refuge de Fontainealbe
  • Blühende Almen und Lerchenwälder
    Steinböcke, Murmeltiere und Gemsen
Mercantour Trekkingtour

Hier muss ich kurz erklären: Auf zahlreichen Hinweisschildern wird in dieser Gegend mpfohlen, den Herdenschutzhunden die die Schafherden bewachen aus dem Weg zu gehen. Doch was, wenn die Hunde das anders sehen? Ein riesiger weißer Hütehund kommt schwanzwedelnd direkt auf uns zu und kurz darauf folgen Mama, Opa, Brüder und ein übermütiger Jungspund. Sie begrüßen uns, die wir mitten unter ihnen auf einem Felsen hocken,  mit feuchten Hundeküssen und schnüffel alles von oben bis unten ab. Da wir offensichtlich keine Schafdiebe sind, gehören wir nun scheinbar zur Herde und während die großen Hunde weiter ihre Arbeit verrichten, legen sich Opa, Mama und Junior direkt zu uns auf den Felsen. In der Nacht bewachen sie unser Zelt und gelegentlich hören wir ein tiefes Brummen oder kurzes Bellen, wenn irgendwo etwas ihre Aufmerksamkeit erregt. So sicher haben wir noch nie unter freiem Himmel geschlafen.

Auf zum Refuge de Valmasque

Nach unserer ersten Nacht am Lac de Grenouille heißt es früh aufbrechen. Noch bevor die Schafherde wieder an unserem Biwak vorbeizieht, bauen wir das Zelt ab und machen uns auf den Weg Richtung Refuge de Valmasque. Zunächst führt der Pfad durch lichten Lerchenwald und später entlang beeindruckender Wasserfälle immer höher in die Berge. Eigentlich ein traumhafter Wandertag. Doch während unserer Frühstückspause ziehen dunkle Wolken auf. Erst nieselt es, dann beginnt es richtig zu regnen und in der Ferne grollt bereits der Donner.
Der letzte Anstieg hat es in sich. Steil geht es durch Farne und Felsen hinauf. Irgendwann sind wir komplett durchnässt. Doch dann kommen wir oben an, biegen um die Ecke und da taucht das Refuge de Valmasque vor uns auf. Gerade noch rechtzeitig vor dem nächsten Guss! Noch nie haben wir uns so sehr über eine warme Hütte gefreut!

Drinnen sitzen Wanderer aus allen Altersklassen an langen Holztischen, trinken Kaffee, spielen Karten und trocknen ihre Kleidung. Es ist total gemütlich. Nach Kaffee und Kuchen sichern wir uns später noch einen traumhaften Biwakplatz direkt oberhalb des Sees. Pünktlich um 19 Uhr gibt es dann das gemeinsame Abendessen. Suppe, piemontesischer Wursteintopf mit Polenta und zum Abschluss noch ein kleiner Eau de Vie aus dem Flachmann von unseren französischen Tischnachbarn. Draußen klart der Himmel langsam wieder auf und zurück im Zelt schlafen wir mit Blick auf den See glücklich ein …

Ins Valle des Merveille

Der Morgen am Refuge de Valmasque beginnt, wie man es sich schöner kaum vorstellen kann. Als wir das Zelt öffnen, stehen rundherum mehrere Steinböcke. Einer der neugierigen Besucher schaut sogar direkt in unser Zelt, als wollte er kontrollieren, wer hier übernachtet hat. Nach einem entspannten Frühstück am See machen wir uns auf den Weg. Schon bald führt der Pfad vorbei am Lac Vert, Lac Noir und Lac Basto. Einer schöner als der andere. Am Lac Noir kann ich einfach nicht widerstehen: Badepause! Das Wasser hat vielleicht acht Grad, das kostet beim Hineingehen etwas Überwindung ist anschließend aber einfach nur herrlich. Dann geht es weiter noch einen See höher und plötzlich realisieren wir dann auch, das die eigentliche (Tor)Tour noch vor uns liegt, denn über uns erhebt sich das Baisse de Valmasque. Ein riesiger Wall aus Stein, den wir überwinden müssen um ins nächste Tal zu kommen. Ein langer, steiler Anstieg durch Geröll, Schneefelder und eine karge Hochgebirgslandschaft. Willkommen in Mordor.

Eine ganze Weile später und 500 m höher genießen wir den fantastischen Blick zurück ins Valmasque Tal und hinüber ins Vallée des Merveilles. Wir haben den Pass erreicht, puh! Viel Zeit bleibt allerdings nicht, denn dunkle Wolken ziehen auf. Kaum haben wir den Abstieg begonnen, erleben wir eines der heftigsten Gewitter der ganzen Tour. Hagel, Starkregen und Donner direkt über unseren Köpfen. Hinter einem großen Felsen warten wir, bis das Schlimmste vorbei ist.

Als wir schließlich das berühmte Tal der Wunder erreichen, zeigt sich dieser besondere Ort von einer ganz anderen Seite. Die uralten Felsgravuren sind im Regen zwar kaum zu erkennen, doch gerade das tosende Wasser, die dunklen Wolken und die gewaltigen Felswände verleihen dem Tal eine fast mystische Atmosphäre. Man beginnt zu verstehen, warum Menschen diesen Ort schon vor Jahrtausenden als etwas Besonderes empfanden.
Völlig durchnässt erreichen wir am Abend das Refuge des Merveilles. Blaubeertarte, heißer Kakao und später ein warmes Abendessen fühlen sich nach diesem Tag wie echter Luxus an.

Vom Lac de Merveille nach La Brigue

Nach einer kalten und windigen Nacht am Refuge des Merveilles wartet ein langer Abstieg auf uns. Rund 8 Kilometer und viereinhalb Stunden geht es fast ausschließlich bergab bis zum Lac des Mesches. Klingt einfach. Ist es aber ganz und gar nicht, denn die Wege sind überwiegend steil und holprig …
Anfangs führt der Weg noch durch blühende Bergwiesen mit herrlichen Ausblicken auf die umliegenden Gipfel. Doch je tiefer wir kommen, desto steiler und steiniger wird der Pfad. Lose Geröllfelder, endlose Serpentinen und müde Beine machen die letzten Kilometer überraschend anstrengend. Kurz vor dem Ziel erleben wir dann einen dieser Momente, die eine Reise besonders machen. Ein tschechisches Pärchen, das uns auf den letzten Metern überholt, bietet spontan an, uns mit dem Auto nach La Brigue mitzunehmen. Eigentlich hätten wir noch fast zwei Stunden auf den Bus warten müssen. Was für eine nette Geste, Danke!

Von La Brigue nach Saorge

Nach drei Tagen in den Bergen gönnen wir uns in La Brigue eine kleine Auszeit. Im „Hotel Fleur des Alpes” bekommen wir sogar ohne Reservierung noch ein Zimmer und werden herzlich empfangen. Hier werden plötzlich ganz einfache Dinge zum puren Luxus: Die Rucksäcke abstellen. Die Beine auf einem weichen Bett ausstrecken. Zum ersten Mal seit Tagen wieder Handyempfang und mit den Jungs telefonieren. Eine heiße Dusche. Ein paar Kleidungsstücke auswaschen. Einfach mal nichts tun.
Den Abend lassen wir bei einem guten Essen mit Blick auf den Fluss ausklingen. Manchmal braucht es gar nicht viel, um glücklich zu sein.

Nach der erholsamen Nacht in La Brigue starten wir etwas später als geplant. Zu gemütlich war das Hotelbett, zu lecker das Frühstück. Vor dem Aufbruch plaudern wir noch mit dem netten Patron unseres Hotels. Als wir ihm unser Tagesziel nennen, schaut er uns etwas ungläubig an. Ob wir das wirklich an einem Tag schaffen wollen?
Dann beginnt der Aufstieg. Über 1.000 Höhenmeter warten heute auf uns und wir ahnen noch nicht, wie lang dieser Tag werden wird. Der Weg führt über trockene, steile Bergflanken und durch wilden Wald bis zur Baisse de Gerion. Nach einer kurzen Siesta auf einer Bergwiese geht es kilometerlang auf dem Chemin d’Incendie Communal weiter. Die Wasservorräte werden knapp, doch zum Glück finden wir noch einen kleinen Bach zum Auffüllen.
Endlich zweigt ein schmaler Bergpfad ab. Leider hat eine Gerölllawine den Weg verschüttet und stellenweise müssen wir mehr klettern als wandern. Doch oben an der Baisse d’Anan sind alle Strapazen vergessen: Blühender Lavendel, weiches Gras und ein grandioser Blick über die Gipfel des Mercantour. Der perfekte Biwakplatz! Wir genießen den Abend unter einem Sternenhimmel, begleitet vom Ruf eines Auerhahns.

Am nächsten Morgen liegt bläulicher Dunst über den Bergen, überall summen Insekten und es duftet nach Lavendel. Wir wandern durchs Auenland, vorbei an der Hütte von Beorn (hier sieht es überall aus wie am Set von Herr der Ringe!). Doch dann gehts an den Abstieg nach Saorge und der zieht sich deutlich länger als von Komoot versprochen. Erst am Nachmittag erreichen wir den alten Ort mit Kloster, das am Felsen klebt wie ein Dorf im Himmalaya. Beim mehr als verdienten Essen in der „Petite Epicerie” wird uns klar, dass unser ursprünglicher Plan, dem GR 52A bis Menton zu folgen, bei der Hitze keine gute Idee ist. Also ändern wir kurzerhand unsere Route und fahren zurück nach La Brigue. Erst fühlt sich das wie Aufgeben an, später wissen wir: Es war die beste Entscheidung der ganzen Reise, denn uns zieht es einfach zurück auf die blühenden Hochalmen des Mercantour.

Biwak mit Wachhund
Biwak mit vierbeiniger Wache am Lac de Grenouille
Lac und Refuge de Valmasque
Das Refuge und der Lac de Valmasque
Lac und Refuge de Valmasque
Die Kirche von La Brigue
Walsserfall auf dem Weg nach Valmasque
Ein Wasserfall auf dem Weg nach Valmasque
vallee des merveilles
Felsgravuren im Valée des Merveilles

Vom Lac de Merveille nach La Brigue

Nach einer kalten und windigen Nacht am Refuge des Merveilles wartet ein langer Abstieg auf uns. Rund 8 Kilometer und viereinhalb Stunden geht es fast ausschließlich bergab bis zum Lac des Mesches. Klingt einfach. Ist es aber ganz und gar nicht, denn die Wege sind überwiegend steil und holprig …
Anfangs führt der Weg noch durch blühende Bergwiesen mit herrlichen Ausblicken auf die umliegenden Gipfel. Doch je tiefer wir kommen, desto steiler und steiniger wird der Pfad. Lose Geröllfelder, endlose Serpentinen und müde Beine machen die letzten Kilometer überraschend anstrengend. Kurz vor dem Ziel erleben wir dann einen dieser Momente, die eine Reise besonders machen. Ein tschechisches Pärchen, das uns auf den letzten Metern überholt, bietet spontan an, uns mit dem Auto nach La Brigue mitzunehmen. Eigentlich hätten wir noch fast zwei Stunden auf den Bus warten müssen. Was für eine nette Geste, Danke!

Von La Brigue nach Saorge

Nach drei Tagen in den Bergen gönnen wir uns in La Brigue eine kleine Auszeit. Im „Hotel Fleur des Alpes” bekommen wir sogar ohne Reservierung noch ein Zimmer und werden herzlich empfangen. Hier werden plötzlich ganz einfache Dinge zum puren Luxus: Die Rucksäcke abstellen. Die Beine auf einem weichen Bett ausstrecken. Zum ersten Mal seit Tagen wieder Handyempfang und mit den Jungs telefonieren. Eine heiße Dusche. Ein paar Kleidungsstücke auswaschen. Einfach mal nichts tun.
Den Abend lassen wir bei einem guten Essen mit Blick auf den Fluss ausklingen. Manchmal braucht es gar nicht viel, um glücklich zu sein.

Nach der erholsamen Nacht in La Brigue starten wir etwas später als geplant. Zu gemütlich war das Hotelbett, zu lecker das Frühstück. Vor dem Aufbruch plaudern wir noch mit dem netten Patron unseres Hotels. Als wir ihm unser Tagesziel nennen, schaut er uns etwas ungläubig an. Ob wir das wirklich an einem Tag schaffen wollen?
Dann beginnt der Aufstieg. Über 1.000 Höhenmeter warten heute auf uns und wir ahnen noch nicht, wie lang dieser Tag werden wird. Der Weg führt über trockene, steile Bergflanken und durch wilden Wald bis zur Baisse de Gerion. Nach einer kurzen Siesta auf einer Bergwiese geht es kilometerlang auf dem Chemin d’Incendie Communal weiter. Die Wasservorräte werden knapp, doch zum Glück finden wir noch einen kleinen Bach zum Auffüllen.
Endlich zweigt ein schmaler Bergpfad ab. Leider hat eine Gerölllawine den Weg verschüttet und stellenweise müssen wir mehr klettern als wandern. Doch oben an der Baisse d’Anan sind alle Strapazen vergessen: Blühender Lavendel, weiches Gras und ein grandioser Blick über die Gipfel des Mercantour. Der perfekte Biwakplatz! Wir genießen den Abend unter einem Sternenhimmel, begleitet vom Ruf eines Auerhahns.

Am nächsten Morgen liegt bläulicher Dunst über den Bergen, überall summen Insekten und es duftet nach Lavendel. Wir wandern durchs Auenland, vorbei an der Hütte von Beorn (hier sieht es überall aus wie am Set von Herr der Ringe!). Doch dann gehts an den Abstieg nach Saorge und der zieht sich deutlich länger als von Komoot versprochen. Erst am Nachmittag erreichen wir den alten Ort mit Kloster, das am Felsen klebt wie ein Dorf im Himmalaya. Beim mehr als verdienten Essen in der „Petite Epicerie” wird uns klar, dass unser ursprünglicher Plan, dem GR 52A bis Menton zu folgen, bei der Hitze keine gute Idee ist. Also ändern wir kurzerhand unsere Route und fahren zurück nach La Brigue. Erst fühlt sich das wie Aufgeben an, später wissen wir: Es war die beste Entscheidung der ganzen Reise, denn uns zieht es einfach zurück auf die blühenden Hochalmen des Mercantour.

Wo ist die nächste Wasserstelle?
Lavendel auf dem Baisse D'Anan
Blühende Landschaften
endlich Wasser nachfüllen
Weit und breit die einzige Wasserstelle
Aufstieg über Geröllfelder
Zimmer mit Ausblick auf dem Baisse D’Anan

Zurück auf die Hochalmen

Mit dem Bus geht es zurück nach La Brigue. Da jedoch der dortige Campingplatz belegt und alle Hotels ausgebucht sind (wie auch schon in Saorge selber) verbringen wir die Nacht kurzerhand in einem Park und am nächsten Morgen bringt uns ein weiterer Bus dann zurück nach Casterino. Schon während der Fahrt wird klar: Das war genau die richtige Entscheidung. Es geht wieder hinauf und es ist nicht mehr so heiß!
Wieder in Casterino starten wir unterhalb der Bushaltestelle. Zunächst folgen wir einem breiten Schotterweg, bevor ein kleiner Pfad in ein langgezogenes Hochtal abzweigt. Was für eine Landschaft! Überall blühen Nelken, gelber Enzian, Flockenblumen, Trollblumen, Türkenbundlilien, Fingerhut und viele andere Bergblumen. Dazu summt und brummt es überall. Fast wirkt das Tal wie ein riesiger, wilder Alpengarten. An einem kleinen Bach legen wir erst einmal eine Frühstückspause ein.
Danach wird der Weg steiler. Links und rechts ragen hohe Felswände empor, später führt eine alte Militärstraße durch lichten Lerchenwald immer weiter bergauf. Nach rund vier Stunden taucht schließlich zwischen den Bäumen das „Refuge de Fontanalbe” auf. Noch ein paar Stufen und wir stehen auf der Terrasse mit herrlichem Blick auf die umliegenden Berge. Wir werden herzlich vom Betreiberpaar empfangen. Das frisch renovierte Refuge gehört sofort zu unseren Favoriten.

Bis wir unser Zelt aufbauen dürfen, bleibt aber noch etwas Zeit. Also gönnen wir uns ein Omelette Triple und anschließend die beste Blaubeertarte der ganzen Reise. Danach machen wir Siesta auf einer Bergwiese oberhalb der Hütte und genießen einfach die Ruhe.
Erst um 19 Uhr dürfen wir unser Biwak im Lerchenwald aufschlagen. Während unzählige Mücken über uns herfallen, kochen wir noch schnell eine asiatische Nudelsuppe und kriechen anschließend zufrieden in unsere Schlafsäcke.
Am nächsten Tag lassen wir die schweren Rucksäcke einfach am Refuge. Was für ein Gefühl! Plötzlich läuft es sich federleicht und wir besteigen das Hochplateau von Fontanalbe deutlich schneller.
Unser Ziel sind die berühmten Felsgravuren, die hier ebenso zu den Wundern des Vallée des Merveilles zählen. Wir starten an der „Voie Sacrée”, dem alten Zugang zur Alm, und entdecken hier die ersten, mehrere tausend Jahre alten Ritzungen in einer glatten Felswand. Manche zeigen Tiere, andere wirken wie geheimnisvolle Zeichen oder eine uralte Schrift. Immer wieder bleiben wir stehen und fragen uns: Waren es religiöse Symbole? Wegmarken? Oder einfach Kritzeleien der Bronzezeit? So genau weiß man das nicht. Vielleicht ist genau das Teil der Magie dieses Ortes. Auch die Landschaft regt die Fantasie an. Das weite, von Gipfeln umgebene Hochplateau wirkt friedlich und geschützt. Man kann sich gut vorstellen, warum Menschen diesen Ort schon vor Jahrtausenden geschätzt haben.
Ein Stück weiter erreichen wir die „Vacherie Supérieure”. Hier liegen riesige Felsblöcke verstreut, die scheinbar irgendwann aus einer glatten Felswand abgebrochen sind. Auch sie sind voller Gravuren. Tatsächlich steigen wir sogar zweimal hinauf, weil wir immer wieder neue Details entdecken. Was hier wohl noch alles verborgen liegt?
Zwischendurch statten wir noch dem Lac Vert de Fontanalbe einen Besuch ab. Das Wasser spiegelt die hellgrünen Lärchen und lädt zu einem kurzen Fußbad ein. Auf dem Weg dorthin sehen wir ein Murmeltier, das wie eine Statue auf einem Felsen hockt, vermeintlich getarnt durch seine Fellfarbe.
Zurück am Refuge wartet am Abend ein leckeres Essen auf uns: Linsensuppe, frisch gebackene Forelle, die es hier übrigens zahlreich in den umliegenden Bächen gibt, Käse und Dessert. Was für ein Genuss nach einem langen Wandertag. Später bauen wir unser Zelt wieder auf einer kleinen, blühenden Waldwiese auf. Während wir einschlafen, hören wir in der Nähe den Ruf eines Hirsches. Perfekt!

Auf nach Sospel

Die Sonne lacht schon am frühen Morgen und trocknet unser Zelt in wenigen Minuten. Nach einem letzten Kaffee auf der Terrasse verabschieden wir uns vom „Refuge de Fontanalbe”. Ein echter Wohlfühlort!
Der Abstieg nach Casterino vergeht fast wie im Flug. Auf der Terrasse eines kleinen Skihotels gönnen wir uns noch ein zweites Frühstück und nutzen den Handyempfang, um die letzten Reisetage zu planen. Anschließend geht es mit Bus und Bahn über Saint-Dalmas nach Sospel. Im Gegensatz zum Beginn unserer Reise sind die Verkehrsmittel nun deutlich voller. Man merkt, die Ferien haben begonnen.

Schon beim Aussteigen gefällt uns Sospel. Enge Gassen, bunte Häuser und eine beeindruckende Kirche verleihen dem Ort ein fast italienisches Flair. Kein Wunder, denn die Region gehörte im Laufe der Geschichte mal zu Italien, mal zu Frankreich. Dieser bewegten Geschichte begegnet man in der Gegend und ihren Bergen überall.
Mit Blick auf die Roya gönnen wir uns erst einmal ein großes Eis und später in der Bar Central einen herrlich frischen Salat. Danach wartet noch ein einstündiger Marsch zum „Camping Domaine Sainte Marguerite”. Nicht gerade der schönste Weg, aber das Ziel entschädigt sofort, denn der Campingplatz liegt wunderschön im Grünen und besitzt genau das, wovon wir geträumt haben: einen herrlich kühlen Pool.
Nach den vielen Wandertagen fühlt sich das unverschämt luxuriös an. Den restlichen Nachmittag verbringen wir im Wasser und lassen unsere Zeit im Mercantour Revue passieren. Am Abend gibt es ein letztes Mal unsere traditionelle Nudelsuppe, während um uns herum die Glühwürmchen blitzen und aus dem Dunkel eine riesige Kröte neidvoll auf unser Essen schielt. Ein schöner letzter Abend im Zelt.

Früh am Morgen wandern wir zurück nach Sospel und nehmen von dort den Zug nach Nizza. Vorher noch ein schnelles Frühstück am Fluss, dann rollen wir der Côte d’Azur entgegen.

Abschied in Nizza

In Saint-Laurent-du-Var steigen wir vom Zug auf Lime Bikes um und fahren zu unserem kleinen Hotel „Le Bistrot de la Mer” in Cros-de-Cagnes. Obwohl es erst kurz nach zwölf ist, dürfen wir schon aufs Zimmer. Perfektes Timing, kurz frisch machen, Badesachen an und direkt ans Meer. Nach den Tagen in den Bergen fühlt sich das Mittelmeer einfach himmlisch an.
Am Nachmittag geht es noch einmal nach Nizza. Ein Spaziergang durch die Altstadt, ein Noisette auf einem Plaz und dann ein wunderbares Abendessen im „Petit Lascaris”: Pan Bagnat, Tagliata mit Sommertrüffel, traditionell gefülltes Gemüse, dazu ein frischer Rosé und zum Abschluss ein riesen Klacks Tiramisu und Mousse au Chocolat. Beste Stimmung, ein herzliches Team und eine wunderbar gemütliche Atmosphäre.
Später sitzen wir am Strand und schauen dem bunten Treiben zu. Jung und Alt, Einheimische und Reisende, alle genießen den Sommerabend am Meer. Zum Abschluss radeln wir durch den alten Hafen, vorbei am „Belvédère de Nice” und zurück zum Hotel.

Umringt von Blumen friedlich schlummern in Fontainealbe
Lac und Refuge de Valmasque
Auf dem Weg von der Voie Sacré zur Vacherie Superieure
Lac und Refuge de Valmasque
Lac und Refuge de Valmasque
Ausblick auf die Gipfel des Mercantour vom Zelt aus …
Lac und Refuge de Valmasque
Der Lac Vert de Fontainealbe. Aber hier sind eigentlich alle Seen supegrün …
Lac und Refuge de Valmasque
Auf Lime Bikes durch Nizza

Was nehmen wir von dieser Reise mit?

  • Mein Osprey Rucksack: absolut zuverlässig. Danke an Snowcountry für den schnellen Umtausch.
  • Die Meindl Wanderschuhe: leicht, bequem, breite Toe Box – keine einzige Blase. Perfekt!
  • Nächstes Mal wieder eine faltbare Isomatte. Die aufblasbare von Stoic ist zwar leicht und warm, aber für mich zu rutschig.
  • Zum tragbaren Abendessen gewinnt klar die Nissin Nudelsuppe. Couscous war bei Hitze einfach nicht ideal.
  • Merinowolle: bleibt unschlagbar, egal ob Shirt, Socken oder Unterwäsche.
  • Und die wichtigste Erkenntnis: Never trust Komoot! Zeiten und Distanzen waren oft zu optimistisch.

Vor allem aber: Der Mercantour hat uns mit wilden Landschaften, uralten Felsgravuren, neugierigen Steinböcken, einer vierbeinigen Nachtwache und vielen herzlichen Begegnungen begeistert. Sicher war das nicht unser letzter Besuch.